Warum Beteiligung? – Sieben Argumente

  • Irgendwie wissen es alle: Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist ein Gebot unserer Zeit und ist sinnvoll! Genauer nach den Gründen gefragt, kommt man aber schon mal ins Stocken. Deshalb haben wir hier „für alle Fälle" einige Argumentationshilfen ohne Anspruch auf Vollständigkeit zusammengestellt, die für Ihre Arbeit vor Ort hilfreich sein könnten.

  • Beteiligung macht stark – psychologisch betrachtet ...

    Beteiligung macht stark – psychologisch betrachtet ...

    Zahlreichen psychologischen Studien zu Folge fördert die möglichst frühe Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in allen sie betreffenden Bereichen (von Familie über Schule bis hin zu Gesellschaft und Politik) die positive Erfahrung von Selbstwirksamkeit: Kinder und Jugendliche erleben, dass sie ernst genommen werden, aus eigener Kraft etwas bewirken und verändern können und entwickeln damit Vertrauen in ihre Stärken.

    Diese Erfahrungen haben Auswirkungen auf Beziehungen, auf die Bereitschaft, schwierige Aufgaben zu lösen und auf das Selbstwertgefühl. Kurzum: Sie machen stark.

  • Beteiligung ist bereichernd – wirtschaftlich betrachtet ...

    Beteiligung ist bereichernd – wirtschaftlich betrachtet ...

    Nicht nur Kinder und Jugendliche „gewinnen" bei Beteiligung, sondern auch die Stadt oder die Gemeinde. Was auf den ersten Blick zusätzliche Kosten vermuten lässt, erweist sich genauer betrachtet als Gewinn: Die Beteiligung Kinder und Jugendlicher beispielsweise bei der Planung von Spiel- und Bolzplätzen oder Kinder- und Jugendeinrichtungen ist nicht selten kostengünstiger als „künstlerisch wertvolle" Architektur. Sie kann Fehlinvestitionen ersparen und eine größere Nutzung gewährleisten.

    Aber auch das Gemeinwesen gewinnt mit einer kinder- und jugendfreundlichen Beteiligungskultur: Das partnerschaftliche Miteinander der Generationen fördert den sozialen Frieden und wirkt sich positiv auf die Lebensqualität in der Stadt, der Gemeinde aus.

  • Beteiligung ist gerecht – gesellschaftlich betrachtet ...

    Beteiligung ist gerecht – gesellschaftlich betrachtet ...

    Der gesellschaftliche Wandel hat Kindheit und Jugend gravierend verändert: Mädchen und Jungen wachsen heute in ganz unterschiedlichen Familienkonstellationen auf, müssen früh zahlreiche private, schulische und berufliche Entscheidungen treffen, sind für den Markt ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, müssen sich in der Medienwelt zurechtfinden, um nur einige Entwicklungen zu skizzieren. Kurzum: Mädchen und Jungen müssen selbstständiger sein, und ihre Möglichkeiten und Handlungsspielräume haben gewaltig zugenommen.

    Diese Mündigkeit, die ihnen in vielen Bereichen zugesprochen und bisweilen sogar als selbstverständlich abverlangt wird, wird ihnen ungerechterweise im gesellschaftlichen und politischen Bereich wieder abgesprochen: Die Beteiligung von Kinder und Jugendlicher in all den sie betreffenden Bereichen ist eher die Ausnahme als die Regel. Und: Noch immer ist es Jugendlichen in der Regel erst ab 18 Jahren gestattet, das politische Geschehen aktiv mitzubestimmen.

  • Beteiligung fördert Demokratie – demokratisch betrachtet ...

    Beteiligung fördert Demokratie – demokratisch betrachtet ...

    Beteiligung ist ein wesentliches Merkmal einer lebendigen Demokratie. Die Lust am Mitreden, Mitmachen, Mitbestimmen, Mitentscheiden und Mitverantworten muss frühzeitig in allen gesellschaftlichen Bereichen gefördert werden, um der viel zitierten Demokratiemüdigkeit und Politikverdrossenheit Paroli zu bieten.

    Demokratie und Beteiligung müssen gelernt werden! Kinder und Jugendliche brauchen deshalb möglichst viele Experimentierfelder, in denen sie Beteiligung üben können und Demokratie erfahren. Dabei ist ausdrücklich davor zu warnen, diese Experimentierfelder als „Spielwiese" zu verstehen. Das Engagement von Mädchen und Jungen „in eigener Sache" muss ernst genommen und anerkannt werden und setzt die Bereitschaft zu Veränderung voraus. Der Demokratie wegen.

  • Beteiligung bildet – bildungspolitisch betrachtet ...

    Beteiligung bildet – bildungspolitisch betrachtet ...

    Bildung ist in Beteiligungsprojekten überhaupt nicht zu verhindern. Dabei geht es zum einen um politische Bildung, zum anderen um den Erwerb der viel geforderten personalen und sozialen Kompetenzen:

    • personale Kompetenzen: wie die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung, Selbstbewusstsein, Fähigkeit zur Selbstkritik, Vertrauen in die eigene Person, Fähigkeit zur Selbstdarstellung, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit, Urteilsvermögen, Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz
    • soziale Kompetenzen: wie Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Anpassungsfähigkeit, Sensibilität, Offenheit, Hilfsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit

     

    Darüber hinaus eignen sich Kinder und Jugendliche in Beteiligungsprojekten auch zahlreiche Sachkompetenzen (z. B. Planen und Organisieren, Umgang mit Medien) und Demokratiekompetenzen an wie Diskutieren und Argumentieren, Aushandeln und Verhandeln oder Strategien der Interessenvertretung.

  • Beteiligung ist legal – rechtlich betrachtet ...

    Beteiligung ist legal – rechtlich betrachtet ...

    Die Gesetzgeber haben in den letzten Jahrzehnten die Beteiligung von Mädchen und Jungen auf europäischer Ebene (z. B. UN-Kinderrechtskonvention), Bundesebene (z. B. SGB VIII/ KJHG) und Landesebene (z. B. Gemeindeordnung Baden-Württemberg) gestärkt. Beteiligung ist damit nicht nur legal, sondern ausdrücklich gewollt und gefordert.

  • Beteiligung ist notwendig – demografisch betrachtet ...

    Beteiligung ist notwendig – demografisch betrachtet ...

    Laut dem Statistischen Bundesamt wird im Jahr 2050 jede bzw. jeder Dritte in Deutschland 60 Jahre und älter sein. Der Generationenvertrag ist heute bereits brüchig und zukünftig wird die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Verantwortung zunehmend auf weniger Schultern verteilt sein. Angesichts dieser Entwicklungen ist die möglichst frühe Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in möglichst vielen Bereichen eine dringliche Notwendigkeit, damit sie „Lust" auf unsere Demokratie bekommen, denn ihnen wird die Verantwortung angetragen werden. Und was wäre bitteschön, wenn die Mädchen und Jungen einfach „Nein" sagen würden ...