Was ist Beteiligung?

Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen spiegelt sich in der Vielfalt der Definitionen, der Themenfelder und der Beteiligungsformen wider. Beteiligung hat in den letzten 20 Jahren auf Landes-, Bundes- und Europaebene zunehmend an Bedeutung gewonnen, wie ein Blick auf die markantesten Entwicklungsstationen zeigt. Dabei ist Beteiligung heute kein „Luxus" mehr, den man sich leistet oder nicht, sondern eine auf Landes-, Bundes- und Europaebene gesetzlich verankerte Aufgabe.

  • Definition ...

    Definition ...

    Wir verwenden die Begriffe „Partizipation" und „Beteiligung" synonym. Da die wissenschaftliche Debatte sich aber auf den Begriff „Partizipation" bezieht, steht er zu Beginn unserer Definition.

    Der Wortursprung des Begriffs „Partzipation" liegt im Lateinischen: Das Verb „participare" bedeutet teilnehmen lassen, teilen, teilhaben an. Darin stecken die Begriffe „pars, partis" – „Teil eines Ganzen" und „capere" – „nehmen, ergreifen". Das deutet bereits auf die zwei Seiten von Beteiligung hin: aktiv als „Teilnahme" und passiv als „Teilhabe".

    Teilhabe steht für bereits gewährte Rechte wie das Wahlrecht der über 18-Jährigen oder verbriefte Mitbestimmung im Betrieb, aber auch den Zugang zu gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Ressourcen. Teilhabe bedeutet, als Individuum oder Gruppe gleichberechtigter Teil eines Ganzen zu sein. Sie steht für geteilte Macht und Ressourcen und für das Recht auf Einmischung.
    Denn erst die gewährte Teilhabe ermöglicht die Teilnahme.
    Teilnahme bedeutet, sich das gewährte Recht anzueignen und auszufüllen oder (noch) nicht gewährte Teilhabe zu erkämpfen. Das bedeutet auch die Übernahme von Pflichten, die aus der Teilnahme erwachsen. Wer mitbestimmen darf, ist auch mitverantwortlich für die Folgen (vgl. Zinser 2005).

    Partizipation wird häufig unterschieden in politische und gesellschaftliche.
    Unter politischer Partizipation wird die Beteiligung von Bürgern an politischen und verwaltungsrechtlichen Entscheidungsprozessen verstanden. Ausdruckformen sind beispielsweise das Wahlverhalten, Parteimitgliedschaft oder das Engagement in Initiativen, die bestimmte Veränderungen erreichen wollen.
    Unter gesellschaftlicher Partizipation wird die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an gesellschaftlichen Organisationen oder sozialen Netzwerken verstanden, die außerhalb politischer Entscheidungsprozesse die Gestaltung der Gesellschaft beeinflussen wollen.

    Die Forderung nach Partizipation von Kindern und Jugendlichen kann als Ausdruck eines veränderten Blicks auf Kindheit und Jugend gewertet werden: Kindheit und Jugend werden heute als eigene Lebensphase wahrgenommen mit je eigenen Fähigkeiten, Interessen und Interpretationen. Entsprechend werden Kindern und Jugendlichen Expertenwissen in eigener Sache und zunehmend eigene Recht zugestanden. Das spiegelt sich z. B. im Kinder- und Jugendhilfegesetz oder in der UN-Kinderrechtskonvention wider.
    Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen beruht einerseits auf ihrem Recht zur Teilhabe, andererseits brauchen sie Unterstützung bei der Teilhabe, da sie selbst noch nicht über alle dazu nötigen Fähigkeiten verfügen.

    Stufen von Beteiligung

    Im Allgemeinen werden folgende Stufen von Beteiligung unterschieden:

    • Mitsprache – Anhörung, Dialog, Möglichkeit zur Äußerung von Meinungen, Interessen, Anliegen und Wünschen
    • Mitwirkung – gleichberechtigte Teilhabe am Beratungsprozess über entsprechende Angelegenheiten oder zu treffende Entscheidungen, Mitgestaltung der Ergebnisse
    • Mitbestimmung – gleichberechtigte, verankerte Teilhabe am Entscheidungsprozess, Mitgestaltung samt Mitverantwortung (vgl. Winklhofer 2000)

    In der Stufe der Mitsprache, die am weitesten verbreitet ist, bleiben Kinder und Jugendliche weiterhin vom Wohlwollen der Erwachsenen abhängig. Erst im Falle der Mitbestimmung verfügen Kinder und Jugendliche über eigene Steuerungsmechanismen. Das wird aber in der Praxis eher selten umgesetzt.

    Quellen:

    Winklhofer, Ursula (2000): Partizipationsspielwiesen? Kinder- und Jugend-Engagement: Ergebnisse einer Studie zu Beteiligungsmöglichkeiten in der Kommune. In: Sozialextra, 24. Jg., H. 7/8, S. 30-34.
    Zinser, Claudia 2005: Partizipation erproben und Lebenswelten gestalten. In: Deinet, Ulrich/Sturzenhecker, Benedikt (Hg.): Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit. 3. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden, S. 157-166.

  • Beteiligungsfelder ...

    Beteiligungsfelder ...

    Die Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche sind genauso zahlreich und vielfältig, wie die Lebenswelten und Sozialräume, in denen sie sich bewegen. Typische Themenfelder für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sind die ...

    Mitgestaltung von Außengeländen

    • Kinder planen Spielplätze,
    • Jugendliche entwerfen Skaterbahnen,
    • Schülerinnen und Schüler bestimmen und arbeiten mit bei der Gestaltung von Schulhöfen,
    • Kinder und Jugendliche werden beim Umbau des Schwimmbads befragt,
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    Raum- und Stadtplanung

    Kinder und Jugendliche werden bei der Verkehrsplanung, Stadtbauplanung etc. einbezogen, z. B.

    • im Hinblick auf die Sicherheit der Schulwege: Manche Unübersichtlichkeit zeigt sich erst auf „Kinderaugenhöhe",
    • auf Beleuchtungen, Fahrradwege und Ampelschaltzeiten,
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    Freizeit, Kultur, Medien

    Da Kinder und Jugendliche aktiv am öffentlichen Leben in der Stadt, im Stadtteil teilnehmen, bestimmen sie bei der Gestaltung der Angebote mit, z. B.

    • Kinder bestimmen mit bei der Auswahl der Spielgeräte für das Spielmobil,
    • Kinder und Jugendliche gestalten ihre eigene Stadtteilzeitung,
    • Kinder und Jugendliche werden einbezogen in die Planung des Kinderferienprogramms, z. B. einer Spielstadt oder eines Kinderzirkus,
    • Kinder und Jugendliche werden befragt, welche Beratungsanbote sie benötigen und wie deren Erreichbarkeit optimal gestaltet werden könnte,
    • die Ermöglichung eines Treffpunkts für Jugendliche ohne Betreuung und ohne die Anwohner zu stören,
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    direkte Beteiligung an politischen Prozessen

    • durch einen Jugendgemeinderat, Kinder- und Jugendstadtteilräte oder Jugendforen,
    • über ein regelmäßiges Hearing oder Versammlungen zu bestimmten Themen,
    • Kinder und Jugendliche entwickeln zusammen mit Erwachsenen Vorschläge für Veränderungen in ihrer Kommune.
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  • Beteiligungsformen ...

    Beteiligungsformen ...

    In der gängigen Theorie und Praxis werden im Wesentlichen drei Beteiligungsgformen unterschieden:

    Repräsentative Beteiligungsformen sind Gremien, die sich aus gewählten oder delegierten Vertreterinnen und Vertreter bestimmter Alterstufen oder Interessensgruppen zusammensetzen. Die Wahl- oder Entsendungsmodi variieren ebenso wie die Einflussmöglichkeiten. Hierzu gehören z. B. kommunale Kinder- und Jugendparlamente, Jugendgemeinderäte, Jugendbeiräte, Stadtteiljugendräte oder Hausräte in offenen Jugendeinrichtungen. Allen gemeinsam ist, dass sich die Kinder und Jugendlichen als Sprachrohr und Interessenvertretung ihrer Altersstufe, ihrer Interessensgemeinschaft oder ihrer Einrichtung verstehen und die Gremien dauerhaft angelegt sind.
    In Baden-Württemberg ist die geläufigste Form der Jugendgemeinderat, auch verankert in Art. 41a der Gemeindeordnung (siehe hierzu rechtliche Hintergründe).

    Weitere Infos: www.jugendgemeinderat.de · www.kinderpolitik.de

    Projektorientierte Beteiligungsformen sind thematisch und zeitlich klar begrenzt. Sie beziehen sich auf ein konkretes Planungsvorhaben, arbeiten mit kreativen Methoden und sind im direkten Lebensraum der Betroffenen angesiedelt. Inhaltlich geht es häufig um die Gestaltung von Spiel- und Freizeitflächen oder Schulhöfen. Weitere Infos: www.kinderpolitik.de

    Offene Beteiligungsformen bieten allen interessierten Mädchen und Jungen freien Zugang und die Möglichkeit der spontanen Teilnahme. Diese Form der Beteiligung kann auf Dauer angelegt sein und in regelmäßigen Abständen stattfinden oder sich punktuell auf eine bestimmte Fragestellung oder Aufgabe beziehen.

    Hierzu gehören Kinder- und Jugendforen, Jungbürgerversammlungen, Kinderkonferenzen oder Jugendhearings.

    Weitere Infos: www.kinderpolitik.de

    Weitere Möglichkeiten Kinder und Jugendliche in der Kommune zu beteiligen, sind Kinder- und Jugendbüros. Diese sind meist Geschäftsstellen in der kommunalen Sozialverwaltung. Kinder- und Jugendpolitik wird als Querschnittsthema aufgefasst. Daher gehört zu den Aufgaben z. B. die Kinder- und Jugendverträglichkeitsprüfung von kommunalen Aufgaben und Vorhaben, die Erstellung von Kinderberichten und die Öffentlichkeitsarbeit.

    Möglich ist auch die Berufung von Kinder- und Jugendbeauftragten. Diese verstehen sich als Lobbyisten für Kinder- und Jugendinteressen. Beauftragt werden können Politiker/-innen, Verwaltungsmitarbeiter/-innen oder „berühmte" Bürger/-innen, hauptamtlich oder ehrenamtlich. Je nach Stellung und Ausstattung variieren die Aufgaben.
    Und möglich ist auch, das Wahlrecht für Jugendliche ab 14 oder 16 Jahren einzuführen.

    Nicht zu vergessen: Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist grundsätzlich in allen Institutionen, Organisationen, Lebensumfeldern möglich, in denen Kinder und Jugendliche sich bewegen: In Schule, Jugendarbeit, Einrichtungen der Jugendhilfe, …

    Quellen:

    Brunsemann, Claudia / Stange, Waldemar / Tiemann, Dieter (2001): mitreden - mitplanen - mitmachen : Kinder und Jugendliche in der Kommune. 3. Auflage. Berlin. Hg.: Deutsches Kinderhilfswerk e.V./ Ministerium für Frauen, Jugend, Wohnungs- und Städtebau des Landes Schleswig Holstein.

    Zinser, Claudia (2005): Partizipation erproben und Lebenswelten gestalten. In: Deinet, Ulrich / Sturzenhecker, Benedikt (Hg.): Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit, 3. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiesbaden, S. 157-166.

  • Rechtliche Hintergründe ...

    Rechtliche Hintergründe ...

    Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Kommune ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern basiert auf verschiedenen Gesetzesvorgaben auf Landes-, Bundes- und internationaler Ebene.

    Auf europäischer Ebene stellt die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 die verbindliche gesetzliche Grundlage für die Stärkung von Beteiligung Kinder und Jugendlicher dar.
    In Deutschland wurde mit dem neuen Sozialgesetzbuch (SGB) Achtes Buch (VIII) von 1989 erstmals die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen festgeschrieben.

    Die Gemeindeordnung von Baden-Württemberg bietet zahlreiche Möglichkeiten für die kommunale Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Als konkrete Form wurde 1998 der Jugendgemeinderat in die Gemeindeordnung aufgenommen.

    Gemeindeordnung Baden-Württemberg in der Fassung vom 24.07.2000, zuletzt geändert durch Gesetz vom 17.12.2015 mit Wirkung vom 15.01.2016

    Die Gemeindeordnung Baden-Württembergs sieht zahlreiche Möglichkeiten der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen vor.

    Nach § 10 sind Jugendliche (auch Migranten/-innen) als Einwohner/-innen zu betrachten. Daher müssen sie nach § 20 in allen Angelegenheiten, in denen sie fachkundig sind, also die sie betreffen, unterrichtet werden. In solchen Angelegenheiten haben sie auch das Fragerecht im Gemeinderat (§ 33 Abs. 4), eine Anhörungsmöglichkeit im Gemeinderat (§ 33 Abs. 4), die Möglichkeit zur Beratung des Gemeinderats (§ 33 Abs. 3) und die Möglichkeit der Anhörung in Ausschüssen (§ 33 Abs. 4). Sie können beratende Mitglieder in beschließenden Ausschüssen (§ 40) und Mitglieder in beratenden Ausschüssen (§ 41) werden. Aufgrund ihres Status als Einwohner/-innen können Jugendliche an Bürgerversammlungen teilnehmen, sie aber nicht einberufen (§ 20).

    Neu geregelt wurde § 41a, der festlegt: "(1) Die Gemeinde soll Kinder und muss Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen. (...)"

    Das ermöglicht die Einrichtung eines Jugendgemeinderats oder anderer Jugendvertretungen und betont ausdrücklich, dass Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, beteiligt werden müssen.

    Kinder und Jugendliche sind in der Regel über diese Beteiligungsmöglichkeiten nicht informiert. Da sie deshalb diese Rechte in der Regel nicht selbstständig nutzen und einfordern, wird es im ersten Schritt immer darum gehen, Kinder und Jugendliche für ein Engagement in eigener Sache zu motivieren und sie in ihren Beteiligungsvorhaben partnerschaftlich zu begleiten.

    Gemeindeordnung Baden-Württemberg

    Downloads:

    • Müller, Yvonne 2002: Studie im Südwest-Staat in: ProjektArbeit 2/2002 hrsg. von Jugendstiftung Baden-Württemberg

    SGB VIII (KJHG/Kinder- und Jugendhilfegesetz) vom 26. Juni 1990, zuletzt geändert am 27. Dezember 2004

    Das SGB VIII geht verschiedentlich direkt oder indirekt auf die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ein:


    Nach § 1 SGB VIII haben Kinder und Jugendliche das Recht auf Förderung der Entwicklung und Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.

    Nach § 8 SGB VIII sind Kinder und Jugendliche entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.

    Nach § 11 SGB VIII sollen Angebote der Jugendarbeit Jugendliche zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.

    Die Aussagen der §§ 1 und 11 SGB VIII können als Rechtsansprüche verstanden werden und damit als Verpflichtung der Kommune zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.

    Auszüge aus dem SGB VIII (KJHG/Kinder- und Jugendhilfegesetz)

    UN-Konvention „Über die Rechte des Kindes" vom 20. November 1989, in der BRD seit 05. April 1992 in Kraft

    Am 20. November 1989 beschlossen die Vereinten Nationen in ihrer Kinderrechtskonvention, dass Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr Rechte haben, und welche das sind.


    Mit den in den Artikeln 12-17 festgeschriebenen Rechten auf freie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit und Informationsfreiheit bietet die Konvention eine wichtige Argumentationsgrundlage für eine stärkere gesellschaftliche Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.

    Hervorgehoben werden soll hier der Art. 12, in dem das Recht der Kinder und Jugendlichen festgeschrieben wird, sich eine eigene Meinung zu bilden, die Meinung in allen sie betreffenden Angelegenheiten frei zu äußern und dass diese Meinung ihrem Alter und ihrer Reife entsprechend berücksichtigt wird. Es geht also einerseits darum, was Kinder und Jugendliche wollen, andererseits darum, was sie leisten können. Das bedeutet, dass Methoden entwickelt und angewandt werden müssen, die der Entwicklung und den Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen entsprechen.

    Die UN-Kinderrechtskonvention trat am 5. April 1992 in Deutschland in Kraft.

    UN-Kinderrechtskonvention

  • Entwicklungen ...

    Entwicklungen ...

    Hier finden Sie Informationen zu den Entwicklungen im Bereich Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg, in Deutschland, in Europa und weltweit.

    Entwicklungen in Baden-Württemberg

    In Weingarten wurde 1985, im internationalen Jahr der Jugend, der bundesweit erste Jugendgemeinderat gewählt. Seither hat sich die Beteiligungslandschaft vielseitig ausdifferenziert: Von Jugendforen bis zu Kinder- und Jugendparlamenten findet sich eine Vielfalt von Beteiligungsformen mit unterschiedlichen Traditionen und Ausprägungen. Einen Überblick über die baden-württembergischen Entwicklungen finden Sie in diesem Fachartikel.

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    Entwicklungen in Deutschland

    Mit dem Achten Jugendbericht der Bundesregierung von 1990, der die lebensweltorientierte Wende in der Kinder- und Jugendhilfe markiert, wurde Partizipation von Kindern und Jugendlichen als eine Strukturmaxime moderner Kinder- und Jugendhilfe formuliert.

    Fast gleichzeitig wurde Beteiligung von Kindern und Jugendlichen durch das 1990 verabschiedete neue SGB VIII (KJHG/Kinder- und Jugendhilfegesetz) bestärkt.

    1999/2000 erschien im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die erste bundesweite Erhebung über Modelle gesellschaftlicher Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Die Ergebnisse können über die Homepage des Ministeriums bestellt oder gelesen werden.

    Bis heute hat sich in Deutschland eine bunte Beteiligungslandschaft entwickelt. Laut ersten Ergebnissen der bundesweit repräsentativ angelegten Bertelsmannstudie „Mitwirkung" (2005), haben knapp 80 % aller befragten Städte und Gemeinden (564) Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche geschaffen.

    Entwicklungen in Europa und weltweit

    1985: Internationales Jahr der Jugend
    Die Vereinten Nationen verabschiedeten 1985 zum internationalen Jahr der Jugend mit dem Motto „Partizipation, Entwicklung und Frieden" eine Erklärung, die besagt, dass
         "alle geeigneten Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Jugendlichen eine wirksame Partizipation am politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben zu ermöglichen".

    Damit weitete sich der Partizipationsblick vom bisherigen vorwiegend pädagogischen Anspruch, die Interessen Kinder und Jugendlicher zu berücksichtigen, international auf alle Lebensbereiche Jugendlicher aus.


    1989: UN-Kinderrechtskonvention
    20. November 1989 beschlossen die Vereinten Nationen in ihrer Kinderrechtskonvention, dass und welche Rechte Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr haben.
    Mit den in den Artikeln 12-17 festgeschriebenen Rechten auf freie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit und Informationsfreiheit bietet die Konvention eine wichtige Argumentationsgrundlage für eine stärkere gesellschaftliche Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.

    2001: Weißbuch „Neuer Schwung für die Jugend Europas"
    Mit dem Weißbuch Jugend „Neuer Schwung für die Jugend Europas" von 2002 wurden die Leitlinien für die jugendpolitische Zusammenarbeit der EU-Staaten der nächsten Jahre entworfen. Auf dieser Grundlage wurden Strategien der Zusammenarbeit im Jugendbereich entwickelt und gemeinsame Zielvorstellungen sowie Leitlinien einer künftigen europäischen Jugendpolitik beschrieben.


    Die wesentlichen Botschaften des Weißbuchs Jugend sind:

    • Jugendliche informieren
    • Jugendliche aktiv mit einbinden, damit sie auch an Entscheidungsprozessen partizipieren
    • Verstärkte Einbeziehung der Jugendlichen in das öffentliche Leben
    • Mehr Wissen über die jugendlichen Bedürfnisse
    • Verstärkte Berücksichtigung der Jugend in allen Politikbereichen
    • Verstärkte Umsetzung des EU-Programms Jugend

    Das Weißbuch in voller Länge kann über das Jugendportal der EU heruntergeladen werden.